News ・ 08.01.2026

Von der Feldvalidierung zur Ausschreibungsspezifikation: TSP-Einsatz in Wasserstollenprojekten in Maharashtra

 
 

Der erfolgreiche Einsatz der Tunnel Seismic Prediction (TSP) im Jite–Hetawane Raw Water Tunnel Project markierte einen entscheidenden Wendepunkt für die formale Etablierung von TSP als Standard zur Risikominimierung in großen Wasserinfrastrukturprojekten im indischen Bundesstaat Maharashtra.

 

Projekthintergrund: Jite–Hetawane Raw Water Tunnel

Der Jite–Hetawane Raw Water Tunnel ist ein rund 12 km langer Hartgesteinstunnel, der mit einer offenen TBM unter der Verantwortung der City and Industrial Development Corporation of Maharashtra (CIDCO) aufgefahren wurde. Das Projekt traf auf eine der anspruchsvollsten geologischen Situationen, die in den letzten Jahren bei indischen Wasserstollenprojekten beobachtet wurden. Beim TBM-Vortrieb bei einer Stationierung von etwa 5.650 m traten folgende Probleme auf:

  • Stark geklüftetes basaltisches Gestein
  • Massive und anhaltende Wasserzutritte von bis zu 7.000 Litern pro Minute
  • Wiederholte Stillstände mit Auswirkungen auf Sicherheit, Produktivität und Terminplanung

In dieser kritischen Phase wurde eine TSP-Kampagne in einem Abstand von 25 bis 70 Metern hinter dem Schneidrad der TBM durchgeführt, um eine verlässliche geologische Prognose vor der Ortsbrust zu erhalten – Informationen, die mit konventionellen Methoden nicht verfügbar waren.

Abbildung 1: Der pneumatisch betriebene seismische TSP-Impact-Hammer, montiert auf einem Schlitten, schlägt in regelmäßigen Abständen von 1 bis 1,5 Metern entlang der Tunnelwand auf das Gestein.

TSP-Einsatz und Wirkung

Die TSP-Untersuchung identifizierte präzise:

  • Das Vorhandensein und die Fortsetzung einer wasserführenden, geklüfteten Zone vor der Ortsbrust
  • Allmähliche Änderungen der Gesteinssteifigkeit und der seismischen Geschwindigkeiten
  • Ein klar definiertes Ende der problematischen wasserführenden Zone, ab dem mit verbesserten Gesteinsbedingungen zu rechnen war
     
Abbildung 2: Draufsicht der Poissonzahl-Auswertung auf Basis der analysierten Geschwindigkeiten von Kompressions- und Scherwellen aus seismischen TSP-Daten. Wasserführende Zonen sind mit einem Pfeil markiert und weisen Poissonzahlen größer als 0,32 auf.

Mit diesen vorausschauenden Erkenntnissen konnten Auftragnehmer, Berater und CIDCO:

  • Eine gezielte Vortriebs- und Grundwasser-Managementstrategie entwickeln
  • Proaktive Sicherheits- und Sicherungsmaßnahmen umsetzen
  • Den kritischen Abschnitt sicher und effizient ohne größere Zwischenfälle durchfahren

Die erfolgreiche Bewältigung dieses Hochrisikobereichs stärkte das Vertrauen aller Beteiligten in die Genauigkeit, Zuverlässigkeit und den praktischen Nutzen von TSP als Entscheidungsunterstützung im Hartgesteinsvortrieb erheblich.

 

Vom Projekterfolg zur strategischen Entscheidung

Nach den Erfahrungen im Projekt Jite–Hetawane führte CIDCO detaillierte technische Diskussionen und interne Bewertungen zur Rolle von TSP bei der Reduzierung geologischer Risiken sowie der Vermeidung möglicher Verzögerungen und Kostenüberschreitungen durch. Das Ergebnis war die strategische Entscheidung, TSP als standardmäßige Maßnahme zur Risikominimierung für zukünftige Untertagebauprojekte zu etablieren.

Dies mündete in einem bedeutenden Meilenstein: der formalen Aufnahme von TSP-Spezifikationen in die Ausschreibungsunterlagen für das 22,21 km lange Rohwasserstollenprojekt vom Kondhane-Damm (Dorf Chochi) zur Wasseraufbereitungsanlage (Dorf Mohope) in Maharashtra.

 

Bedeutung der Aufnahme in die Kondhane–Mohope-Ausschreibung

  • Projektträger: CIDCO
  • Tunnellänge: 22,21 km
  • TBM-Einsatz: Bis zu vier TBMs
  • Anwendung: Verbindliche oder spezifizierte Nutzung von TSP zur geologischen Prognose vor der Ortsbrust

Dies ist ein weiterer bedeutender Fall in Indien, in dem TSP direkt in die Ausschreibungsspezifikationen aufgenommen wurde und damit über die Pilotphase hinaus zu einer vertraglichen Anforderung wurde.

 

Ein Meilenstein für TSP in Indien

Der Übergang von der erfolgreichen Feldanwendung in Jite–Hetawane zur formalen Ausschreibungsintegration in Kondhane–Mohope stellt einen wichtigen Fortschritt für TSP im indischen Tunnelbaumarkt dar. Er zeigt:

  • Die wachsende Anerkennung eines proaktiven Managements geologischer Risiken
  • Eine zunehmende Reife der Tunnelbaupraxis im Bereich der Wasserversorgungsinfrastruktur
  • Die Ausweitung des TSP-Einsatzes von Himalaya-Projekten auf urbane und hartgesteinsdominierte Wasserstollen

Dieser Erfolg stärkt nicht nur die Position von TSP in Indien, sondern setzt auch einen Maßstab für die Integration fortschrittlicher geophysikalischer Prognosetechnologien in zukünftige Untertagebauprojekte im gesamten Land.